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Is doch nicht so schlimm, wenn ein paar Tibeter sterben, ist ja kein riesiger Absatzmarkt, nicht?


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Sponsoren boykottieren Olympia nicht

Die Sponsoren
der Olympischen Spiele
geraten durch Boykott-Diskussionen unter Druck. Drei deutsche Unternehmen
(VW, Adidas und Schenker) wollen trotzdem an ihrem Kurs festhalten, da sie
in China handfeste wirtschaftliche Interessen verfolgen und anscheinend Menschenrechtsverletzungen in kauf nehmen.

Trotz blutiger Aufstände in Tibet hofft China weiter
auf einen großen Prestigezuwachs durch die Olympischen Spiele in
Peking. Das Land steht damit nicht alleine da - 63 Sponsoren
setzen auf Imagegewinn und das große Geschäft mit der Olympiade.

Imagegewinn?

 

Die deutschen Geldgeber geraten inzwischen jedoch zunehmend unter
Druck. Zum Beispiel forderte der Grünen-Spitzenpolitiker Jürgen Trittin die
Sponsoren zu Protesten bei der chinesischen Regierung auf. Auch Parteichefin Roth hatte zuvor die Frage gestellt, warum man nichts von
Adidas und VW höre.

Exil-Tibeter forderten
VW-Chef Martin Winterkorn in einem Brief auf, keine Autos für den
olympischen Fackellauf zur Verfügung zu stellen. "Bunte VW-Fahrzeuge
auf Straßen, die kurz zuvor Schauplatz blutiger Ereignisse waren, sind
für die deutsche Öffentlichkeit unerträglich“, heißt es dort.

 

Aber die deutschen Sponsoren wollen trotz der Kritik weiterhin Ihren Kurs halten. Sie glauben fest daran, dass ein Boykott der falsche Weg sei, sagte Adidas-Sprecherin Anne Putz gegenüber der Tagesschau.

 

Ist schon klar, Profitgier schaut schonmal über Blutbäder hinweg.

 

Ähnlich
wie Putz meldete sich VW-Sprecher Andreas Meurer zu Wort und erklärte sie beobachteten die Situation
mit Sorge - aber es sei Aufgabe der Politik, die Probleme vor Ort zu
lösen. Auch die Schenker AG, dritter deutscher Unterstützer der
Spiele, will weiterhin offizieller Lieferant sein.

 

Das erinnerte mich sofort an ein Zitat von Gandhi: "Die Nichtzusammenarbeit mit dem Schlechten gehört ebenso zu unseren Pflichten wie die Zusammenarbeit mit dem Guten.", oder wer die Unterdrückung nicht boykottiert, der befehligt sie.

Für die Sponsoren geht es nicht um Moral (als müsse man das noch erwähnen) - es geht ums Geschäft.

 

China ist ein wichtiger
Wachstumsmarkt, so Putz. Bis 2010 wolle Adidas in der
Volksrepublik eine Milliarde Dollar Umsatz jährlich gemacht haben. Ausserdem solle
die Zahl der Läden vor Ort steigen: von heute ca. 4000 auf 5000. Die Hoffnungen, die Adidas mit dem Olympia-Sponsoring
verbindet, werden auch im Geschäftsbericht des vergangenen Jahres
deutlich. Es wird erwartet, dass der Konzern im Jahr 2008 die Marktführerschaft in China
übernehmen wird.

"Voraussichtlich werden wir in diesem Jahr mehr als eine Million
Autos in China verkaufen", sagte VW-Sprecher Meurer dazu. Bei der
Sponsoringentscheidung handle es sich durchaus um einen Ausbau von Marktanteilen vor Ort, so Meurer weiter und im April will das Unternehmen
zwei eigens für den chinesischen Markt entwickelte Autos vorstellen.

China ist jedoch nicht
nur ein wichtiger Markt, sondern es ist auch ein entscheidendes Produktionsland. Es fragt sich nur, ob Menschenleben dagegen unwichtig sind.

 

Adidas lässt 49 Prozent aller Schuhe in mehr
als 260 Fabriken in der Volksrepublik produzieren. Auch VW hat zwei
Standorte in Fernost, davon einen in Schanghai und einen weiteren in
Changchun.

Jede öffentliche Kritik von Unternehmen an China würde
vermutlich wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen, meinen Experten, wie die Konzerne anscheinend darin, dass ein paar tote Tibeter nicht so schlimm sind.


Kommentare

Bild von sedah

Aber nicht so

Aber nicht so brutal.

 

Chinas Regime ist eine brutale Diktatur, das man nicht netter behandeln
sollte, als irgendwie nötig. China ist verletzlich und anfällig. Das
sollte man ausnutzen. Desto früher man es denen klarmacht, desto
weniger muss man sich nachher Bilder von Massakern anschauen. Der
Westen könnte jetzt mit dem ersten Druckmittel der olympischen Spiele
gleich mal zeigen, ob er was aus dem Balkankrieg gelernt hat. da hat
man sich nämlich auch lange zu nichts durchringen können. An
Nazideutschland denken wäre in dem Kontext übrigens auch keine dumme
Sache. Heute boykottieren erspart einem die Mitverantwortung für die
Gemetzel, die zur Herbeiführung einer totenfriedlichen Olympiade nötig
sind.


Bild von finefin

Stimmt schon. Ich wollte

Stimmt schon.

Ich wollte gewiss nicht die Gewalt totalitärer oder sonstwie gearteter Staaten verteidigen. Auch bin ich selbstverständlich gegen kommerzielle Ausbeutung von Konflikten.

 

Man muss sich in diesem konkreten Fall aber auch mal überlegen, wie die Bevölkerung Tibets ohne die ganzen "äußeren Einflüsse" leiden würde, denn auch der Lamaismus ist totalitär.

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Bild von sedah

Re: Tibet

Schön ung gut die Interessen wahren und so, aber deshalb ist Völkermord okay, ja? Komm schon. Auf jeden Fall ist es nicht gerecht jemanden dafür zu killen und meine Zitate sagen es ja schon ... Wer den Krieg nicht versucht zu verhindern, der befiehlt ihn, oder warum hängt den deutschen sonst der 2 WK immernoch nach? Richtig, weil man der Meinung ist unsere Vorfahren hätten nicht wirklich was unternommen.

Wenn ich dann so nem menschenrechtslosem Handeln noch Aufwind verschaffe, nur um mich daran zu bereichern, dann ist das Gewissenlos und ungerecht. 


Bild von finefin

Aus wirtschaftlicher Sicht

Aus wirtschaftlicher Sicht völlig verständlich:

 

Wenn ich zum Beispiel Hamburger verkaufen will (also die Fleischpralinen jetz, nich die Stadtbewohner), sag ich doch auch nicht: "Ihr seid doch alle fette Schweine, die ihre Ernährung nicht im Griff haben!" --- is doch klar! Solche Kommentare verbietet man sich als Konzern, damit sich die Leute ihre Burger nicht woanders kaufen oder einfach zuhause selbst machen. Bei Autos ist das kaum anders.

 

Eine andere Frage ist die der Moral. Und es ist ja alles andere als eine neue Erkenntnis, daß soziale Verantwortung von global agierenden Konzernen eher ein PR-Gag ist, als wirkliches Engagement. In diesem Zusammehang lege ich jedem die Dokumentation The Corporation ans Herz. Der Film arbeitet heraus, daß Großkonzerne -- psychologisch analysiert -- das Profil von "gefährlichen, destruktiven Psychopathen ohne Gewissen" haben.

 

Zum Tibet-Konflikt bin ich gespaltener Meinung. Der tibetische Lamaismus ist nämlich auch nicht das Gelbe vom Ei. Der freundlich in die Kameras grinsende Dalai Lama ist leider auch sowas wie ein PR-Gag. In Tibet herrscht ein Patriarchat, Frauen haben so gut wie keine Rechte. Und auch sonst liegt in dem tibetischen System einiges im Argen:

siehe "Ahnungslose Schwärmerei -- Mönchischer Terror auf dem Dach der Welt. Teil I: Die Begeisterung für den Dalai Lama und den tibetischen Buddhismus" von Colin Goldner

Auch wenn ich dafür als Stinke-Käfer wiedergeboren werden sollte: was m.E. hier in Europa als Buddhismus ankommt, ist verblümtes Geseihere, Eso-Quatsch und Verblendung.

 

Aber rechtfertigt ein ungerechter Staat die Invasion desselben? Haben nicht viele Staaten irgendwo eine abtrünnige Provinz (Tschetschenien, Irak, Kosovo, Vatikan)?

 

Darf ich bei meinem Nachbarn einreiten, wenn er sich selber Hamburger macht und nicht in das Restaurant geht, von deren Kette ich Aktien halte?

Irgendetwas in mir sträubt sich gegen das ach-so gerechte Cowboytum, dem manche Mächte verfallen. Das bedeutet jedoch nicht, daß ich mich um eine Diskussion darüber drücke, was denn jetzt eigentlich gerecht ist.

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