prenzlauer berg
15 Jahre altes HipHop-Zeitdokument
Es gab mal eine Zeit, da hatte Marusha neben ihrer Rave Satelite Show auf Fritz auch noch eine Fernsehsendung beim ORB. Feuerreiter nannte sich das jugendliche Format. 1993 berichtete sie erstmals über die Streetjam auf dem Helmholtzplatz und fuhr zu Rock Steady Jam in NYC, bei der so ziemlich alle auf der Bühne und im Publikum standen, die in den nächsten fünf Jahren richtige HipHop-Größen wurden. Die Sendung habe ich leider noch nicht im digitalen Format vorliegen.
Sehr amüsant im Video: Zum rappenden Fetten Brot und Easy Business hat die ORB-Redaktion Musik von No Solo und Rebel One eingespielt.
Aufgetaucht! Steiner - Hart an der Grenze
Jenz Steiner - Hart an der Grenze (2001), 27 trashige Tracks ohne Mastering, irgendwo zwischen HipHop, Punk und Großstadt-Poesie:
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Steiner am Sonntag, 21 Uhr live und umme im Mauerpark
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"Mauerpark" von Jenz Steiner und Drumkid
Die Berliner brauchen den ganzen Mauerpark, die brauchen Platz und Luft zum Atmen und nicht noch eine Townhouse-Siedlung. Es kann doch nicht so schwer sein, einen Park zu bauen, der geplant und bezahlt ist. Alle warten drauf. Wir wollen den ganzen Mauerpark und nicht auf Brachen schauen und den faulen Kompromissen des Senats vertrauen. Ganze 14 Hektar waren in den Neunzigern vorgesehen, doch im Roten Rathaus spricht man heute nur von zehn. Ich brauche kein Townhouse und ich kann mir auch keins leisten. So geht es nicht nur mir, so geht es hier den meisten. Ich brauche keinen Vorgarten, keine Tiefgarage, wenn ich Richtung Wedding über Wiesen latsche.
Lass uns malen gehen, wo die Schaukeln stehen, im Mauerpark, genau da, wo Berlin noch Berlin ist, bei den Trommlern, Flohmarktständen, Flaschensammlern, Boulespielern und Sonnenanbetern, zwischen Bernauer und Bornholmer, zwischen Wedding und Prenzlauer Berg.
Text: Jenz Steiner
Musik: Drumkid
Aufnahme: AWG
1:14 Minuten (2.83 MB) - Rap, Hip Hop
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Vermeintlicher Schwabenhass nur ein Missverständnis
Niemand hier hat ein Problem mit Schwaben, wohl aber gelegentlich mit Schaben. Die vom Bezirksamt Pankow an den Pranger gestellten Gastronomen werden mir ganz sicher beipflichten.
Nun ist die Bezeichnung Schwabe, wenn man es sprachwissenschaftlich betrachtet, auch ein Historismus, eine ausgestorbene Bezeichnung für das Ungeziefer, die sich nur in Schrift- und Klangbild nicht von der Bevölkerungsgruppe im Südwesten Deutschlands unterscheidet.
Als Beleg dient das Etikett dieses Schädlingsbekämpfungsmittels aus dem vergangenen Jahrhundert. Ich hoffe, dies ist ein Beitrag zur gegenseitigen Toleranz und Akzeptanz in meinem Heimatbezirk Berlin Prenzlauer Berg.

Dank an Tillevision
Hier noch ein passendes Liedchen von mir zum Download!
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"Stacheldrahtzaun" von Jenz Steiner
Neulich spazierte ich mit meiner Freundin durch die Stadt. Plötzlich standen wir vor einer großen Baustelle. Reihenhaus-Rohbauten so weit das Auge reicht. Ein großes Schild warb für paradiesisches Wohnen mitten in der Stadt.
Ich sagte zur ihr:
Komm wir klettern übern Stacheldrahtzaun, nicht um was zu klauen, nur um die Gegend anzuschauen!
Ich will nur wissen, was sie hier hinbauen?
Raum für Raum in beige und braun.
Ich hoffe, die haben hier kein Hund, denn ich hab keinen Bock zu botten über matschigen Grund.
Die haben hier nicht mal einen Wachschutz, doch jemanden, der ihnen das Dach putzt.
Refrain:
Kannst Du Dir denn vorstellen, in so einem Teil zu wohnen. Das Minimum Wohneigentum kostet zwei Millionen. Das Leben ist edel, doch trist und grau, hinter so 'nem Stacheldrahtzaun.
Ich sag: Hey weeste, denk doch mal an die Kleensten! Die Alten sind beschrubbt, doch all die Kinder tun mir Leid. Wie will man hier denn spielen, ohne sich begafft zu fühlen. Der Spielplatz ist so glatt und kühl, steril wie in der Klinik.
Ich wäre hier längst schon durchgedreht.
Guck wie klein die Fenster sind! Was willst Du da groß sehen?
Carports, Gartenteiche für lebendige Leichen hinter diesem Stacheldrahtzaun.
Kannst Du Dir denn vorstellen, in so einem Teil zu wohnen. Das Minimum Wohneigentum kostet zwei Millionen. Das Leben ist edel, doch trist und grau, hinter so 'nem Stacheldrahtzaun.
Kannst Du Dir vorstellen hier zu wohnen? Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nicht hinter so einem Stacheldrahtzaun.
Auf Granit- und Mamorböden gedeiht noch längst kein Glück. Ein Autolift bringt Dich nicht höher, nicht mal ein kleines Stück. Das Glück liegt in uns selber, nicht in irgendwelchen Dingen. Die Leute, die da einziehen, können das leider nicht verstehen. Im Studium wird das nicht gelehrt. Die Elite macht Rendite. Alles Andere ist nichts wert. Man hat Kontakte, doch keine Freunde - hinter so einem Stacheldrahtzaun.
Kannst Du Dir denn vorstellen, in so einem Teil zu wohnen. Das Minimum Wohneigentum kostet zwei Millionen. Das Leben ist edel, doch trist und grau, hinter so 'nem Stacheldrahtzaun.
Wer bitte braucht denn ein Townhaus? Gebt das Geld lieber einem Frauenhaus, denn irgendwie müssen die das Ding ja finanzieren.
Womit die die Stadt jetzt zubauen bauen, ist der reinste Albtraum Traum,
das tut ja schon weh, au, au. Nobelhundehütten, wau, wau.
Zementmischer, Baugruben und Kräne realisieren Bauherrenpläne.
Kleingeister, Baumeister, Verandablick aufs Meer, vor der Türe gleich den Reichstag. Die Investoren haben das hier auserkoren als ihren eigenen Boden, Stadtplaner haben verloren.
Ah, für einen Arzt oder Anwalt lohnt sich dieses teure Angebot.
Doch die haben Angst vor Feuerlegern, Mucke, Lärm, Gestank und Punks und Schlägern.
Ruhig wohnen im Zentrum der Stadt, die vor lauter solcher Bauten kein Zentrum mehr hat.
Alles dreht sich nur ums Ge-e-eld.
Hauptsache verbeamtet oder angestellt.
Was ist an einer Stadt noch interessant, wenn man hier lebt wie auf dem Land? Piefig, miefig, langweilig und trist: meine Ästhetik trifft das nicht. Ich wünsche mir eine lustige Stadt, die Platz für bunte Hunde hat
und nicht ganz so viel Stacheldraht, ich kann mich noch entsinnen.
Das hatten wir grad.
Ich kann mir nicht vorstellen, in so einem Teil zu wohnen.
Ich brauche nur ein paar Kröten, keine zwei Millionen.
Mein Leben ist dufte und richtig schau, ohne so einen Stacheldrahtzaun.
Text: Jenz Steiner
Aufnahme: DJ V.Raeter
5:19 Minuten (12.16 MB) - rap / hiphop
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"Berlin, Berlin Du bist scheisse" von Jenz Steiner
Ich brauch kein gottverdammtes deutsches Ordnungsamt.
Ich will ne Straßenbahn und keine Metrotram.
Was muss P-Berg plötzlich Teil von Pankow sein?
Was sucht der Görlitzer Park im Friedrichshain.
Ich würd auch gern mal wieder richtig baden gehen,
doch die Halle ist dicht.
Nichts da mit Bahnen drehen.
Grund genug durchzudrehen,
doch es ist wie es ist.
Berlin, Du bist so scheiße.
Berlin, Du bist beschis-ssen.
Wenn ich heut durch meine Straße geh,
tut mir gleich der Magen weh,
wenn ich den Schwabenladen seh.
Wo ist die Späte hin?
Wo sind die Kumpels hin?
In meiner alten Buchte wohnt ein Yuppie-Pärchen drin.
Papi hat die ganze Hütte ausgebaut,
doch der Schwabenvermieter hat das ganze Haus beklaut.
Tags im Hausflur, rausgeruppte Stukkatur,
Videoüberwachung, neue Sicherheitsstruktur.
Berlin, Berlin, Du bist scheiße, aber trotzdem ganz schön geil. (2x)
Komm nach Berlin, um Dich auszuleben.
Berlin, die Stadt der Clubszene mit Nachtleben.
Das Künstlereldorado mit Radio Paradiso.
An jeder Ecke trifft man Stars,
natürlich alle incognito.
Brachland, alte Fabriken,
leerstehende Läden,
an jeder Ecke Streetart,
Hundekacke auf den Wegen.
Das ist das passende Millieu für Dich.
Du sprudelst vor Ideen.
Es gibt nur eine Stadt für Dich
und das ist Spreeathen.
Dein Haus ist frisch saniert,
die Lieblingsbar ein bisschen ranzig.
Du gehst in Clubs, bist Mitte zwanzig.
Aber Du tanzt nicht.
Berlin, Berlin, Du bist Scheiße, aber trotzdem ganz schön geil. (2x)
Berlin, Berlin, Du bist Scheiße, richtig Scheiße.
prod: Drumkid
Aufnahme: Cutterlysator
Mai 2005
2:05 Minuten (4.79 MB) - Rap
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"Ich 26 34" von Jenz Steiner
prod.: V.Raeter
aufn.: Cutterlysator
Text: Steiner
Vom cc-Album "Steiner, wie er singt und lacht"
Von Wand zu Wand sind es gerade mal drei Schritte,
mit ausgestreckten nackten Armen stehe ich in der Zellenmitte.
Ich setz mich hin und steh wieder auf
Ich setz mich hin und steh wieder auf
Ich setz mich hin und steh wieder auf
Ich setz mich hin, so nimmt das Leben seinen Lauf.
Mein Gesicht ist eine Uhr, müde Augen sind die Zeiger.
Sie finden keine Ruhe und rennen immer weiter.
Das Herz gibt den Takt für den Pendelschlag der Arme.
Ihnen mangelt es an Kraft, doch sie können nicht erlahmen.
Die Heizung ist kalt, der Fußboden eisig.
Die Wände sind feucht, die Hände sind eisig.
Ich wiederhole meinen Namen, denn was ich weiß, das weiß ich.
Mein Name ist die Nummer 26 34.
Wie lang bin ich eigentlich schon in diesem Bau hier eingezwängt.
Meine Haut, die spannt sich unterm blauen Leinenhemd.
Ein sanftes zittern in den Augenlidern.
Endlos das Bibbern in Bauch und Gliedern.
Ich fühl mich bedrückt, sink auf den Schemel zurück.
Dass ich noch lebe, schätze ich grad nicht als Glück.
Meine Finger spüren seitlich den herausragenden Nagel.
Der stetige Gedankenhagel ist die allergrößte Plage.
Meine Hände gleiten langsam über roh geschnittenes Holz.
Ich hab soviel erreicht, darauf war ich einmal stolz.
Ich: 26 34. Ich: 26 34.
Arbeitszeugnis vom Betrieb, Prädikat „besonders fleißig“.
Ich spüre kaum das Ritzen in den eigenen Leib.
Ich spüre nur die Ritze in meiner Vergangenheit.
Farblos und schmutzig schimmert das Fenster.
Ich sitze hier fest und bin gar kein Gangster.
26 34 hinter kantigen Gitterstäben.
Es gab mal eine Zeit, die nannte ich gern Leben.
Alles, was mich ausmacht,
verblasst wie die Nacht.
Alles was mich freut,
verblasst wie die Vergangenheit.
Noch kann ich einen schwachen Stern blinzeln sehen.
Wo sind sie hin, die schönen Tage am Müggelsee,
die Gründerzeitfassaden, die Schönhauser Allee,
die Schwärme tausender Krähen über den Dächern der Charite´?
Die Uhr fragt mich, sie fragt mich nach der Zeit.
Sie fragt mich nach der Zeit.
Sie ist der Staatsanwalt. Ich tue ihr nicht mal Leid.
Hoffentlich wird sie mich heut nicht ansprechen.
Warmes Blut fließt über meine Handflächen.
Ich fürchte jeden Schlag, jeden Schlag zur vollen Stunde,
Mitternacht und Mittag, jede Zwölferrunde.
Ich merke wie der Schmerz durch meine Finger kriecht,
die Pritsche eingeklappt, damit niemand in seinem „Zimmer“ liegt.
Ich weiß keine Antwort auf die scharf ritzenden Fragen.
Der Sprung aus dem Leben, ich würde ihn wagen.
Ich starre in den Abend, er scheint regenbeladen,
knall meinen Kopf gegen das Gitter,
in ihm hämmern die Fragen.
Mein heißer Körper zuckt vom eisigen Metall.
Zieh mich am Gitter hoch und lass mich wieder fallen.
Ich bin hier gefangen, doch wer ist in der Ferne?
Ein einsamer Mann im Lichtkreis der Laterne.
http://www.steinerwieersingtundlacht.de
2:54 Minuten (6.65 MB) - Rap
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"P-Berg-Hymne" von Jenz Steiner
Text: Steiner
prod.: Tillevision
Die Berliner Rap-Legende, ich Jenz Steiner, hebt die Hände.
Tanzt zu Tillevisions Loop! Macht Euch frei und fühlt Euch gut.
Ick steh uff de Bühne und träller ein Liedchen.
Berlin ist korrupt wie Eberhardt, Diepgen, Momper, Landowsky, Sarrazin,
dit wird noch einjet nach sich ziehen, ins Milliardengrab Berlin,
Schuldenking von Germany, Großflughafen, Humboldt-Forum,
15.000 ohne Wohnung, Anlaufstellen für Obdachlose,
alle geschlossen, tote Hose,
in P-Berg wird nur rumgesessen,
unterm Heizpilz rumgefressen.
Ich frag mich, wo meine Bekannten leben.
Hier kann man sich nur noch die Kante geben.
Es gab auch mal Zeiten, da kannte ich hier jeden.
Es hat sich verändert, die We/ände, die Läden.
Geblieben sind die, die im Publikum stehen.
Ich freue mich viehisch, Euch heute zu sehen.
Ausrasten, freidrehen, Bruchglas im Vorbeigehen.
Jede Nacht ‘ne Scherbendemo.
Da wird man auch mal gerne retro.
Antifas und Kuschellinke,
alle zerstritten, Rumjedümpel.
Niemand kriegt was auf die Reihe,
alle verpeilt, nur Rumgeseier.
„Wie starb Benno Ohnesorg, ein Student in Westberlin,
kein Held - wird man sagen über ihn
und wird in die alten Städte einziehen, die neu sind
Benno Ohnesorg, die neu sind, Benno Ohnesorg.“
Wir lassen es krachen, haben den Donner geborgt.
Die Spuren des Häuserkampfes wurden alle übertüncht,
im Speicher unterm Wasserturm tausende gelyncht,
Bombenlücken, die Wunden des Krieges notdürftig verklebt,
mit glatten grauen Platten, in denen man mittelklasse lebt.
Urbanität und Toleranz und kaschiertes Spießertum.
Ich hab es 1000 Mal gesagt und werd es immer wieder tun:
„Setz die Hassi auf! Hol den Bushammer raus!“
Mach kaputt was Dich kaputt macht,
sonst sind Deine Träume auf Sand gebaut, angestaut,
den besten Freunden anvertraut.
Hast die Hoffnung aufgegeben,
lebst zurückgezogen im Hinterhaus
mit billiger Auslegware.
Über den Hof Deines Hauses latschen Lehrerehepaare
mit 68er Outfit und aufgeschlossenem Blick.
Morbidität hat ihren Charme und ist so ursprünglich und schick.
Zerstört und verklärt, der Mythos Prenzlauer Berg.
Abrissreife Bausubstanz gewinnt wieder an Wert.
P-Berg (8x)
2:33 Minuten (5.86 MB) - Rap
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So feiern die Restprenzlauer Berger
Einen knappen Monat ist es her, da war auf dem Helmi ein Open Air Konzert. Und damit das nicht so schnell in Vergessenheit gerät, haben ganz viele Leute mit ihren Telefonen mitgefilmt. Vor ein paar Jahren wäre ich für diesen Satz noch für bescheuert erklärt worden.
Jenz Steiner und Pilskills "Disko in der U-Bahn", 29. Mai 2009, Helmholtzplatz, Video: Bemme51
Das Original aus dem Jahr 2003 zum kostenlosen Download hier und als 7" Vinyl zum Kaufen hier.
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